Steinrestaurierung: Antike Marmorskulpturen

Von Wolfgang Maßmann

Die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden lieh Berlin zwei Marmorskulpturen aus ihrem Bestand aus (Abb. 1 – 4). Die »Große und die Kleine Herkulanerin«, Inv.-Nr. Hm 326 und Hm 327, waren Bestandteil der Sonderausstellung vom 21. September 2005 bis 1. Januar 2006 mit dem Titel: Die letzten Stunden von Herculaneum. Im Anschluss an die Ausstellung kamen die beiden Skulpturen in die Steinrestaurierungswerkstatt der Berliner Antikensammlung. Sie wurden dort in »Amtshilfe« mit zeitlichen Unterbrechungen bis Februar 2007 restauriert. In Absprache mit den verantwortlichen Dresdner Kollegen entstand das Restaurierungskonzept. Es fanden regelmäßige Vororttermine zur Begutachtung und Diskussion der durchgeführten Maßnahmen statt.

Wolfgang Maßmann, Dipl.-Rest. (FH), ist für den gesamten Steinbereich der Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin, verantwortlich.

Abb. 1: Sog. Große Herkulanerin (40 – 60. n. Chr.), Marmor. H. 203,5 cm. Inv. Hm 326. Aus dem Theater von Herculaneum. 1736 von König August III. für Dresden erworben. (© Staatl. Kunstsammlungen Dresden, Aufnahme Ingrid Geske) Abb. 2: Sog. Kleine Herkulanerin (30 – 1 v, Chr.), Marmor. H. 181 cm. Inv. Hm 327. Aus dem Theater von Herculaneum. 1736 von König August III. für Dresden erworben. (© Staatl. Kunstsammlungen Dresden, Aufnahme Ingrid Geske)

Besitzerwechsel, Transporte

Die antiken Statuen schmückten ursprünglich das Theater in Herculaneum. Sie sind nachweislich schon in der Antike gebrochen. Vor allem seit 1710, seit der Auffindung in Resina bei Portici, datieren zahlreiche Be- und Überarbeitungen. Der Grund für je erneute Beschädigungen und entsprechende Eingriffe ist sicher in den zahlreichen Transporten zu suchen. Über Rom, wo sehr wahrscheinlich die erste Restaurierung stattfand, gelangten sie nach Wien und anschließend nach Dresden, wo sie seit 1736 als Besitz des sächsischen Kurfürsten August II. aufgeführt werden (Abb. 1, 2). Auch in Dresden haben die Herkulanerinnen mehrfach ihren Standort gewechselt, von den Pavillons im Großen Königlichen Garten zum japanischen Palais ab 1785, schließlich ab 1890 ins Albertinum, dem umgebauten Zeughaus. Die bewegte Geschichte setzt sich 1945 mit dem Transport nach Moskau und der Rückkehr 1958 fort.

Abb. 3 und 4: Vorzustand der sogenannten Großen und Kleinen Herkulanerin

Schäden

Die häufigen Transporte, aus heutiger Sicht unter sehr unzulänglichen Bedingungen durchgeführt, sind als Hauptursache für die Schäden zu sehen. Sie zogen entsprechend notwendige »Reparaturmaßnahmen« nach sich. Hier vor allem sind solche mehrfach durchgeführten Eingriffe zu nennen wie: das Befestigen abgebrochener Marmorteile mit Dübeln und Klammern, plastische Ergänzungen in den Bereichen von Ausbrüchen bzw. verloren gegangener Originalteile und eine angleichende Farbretusche der Ergänzungen an den Marmorfarbton (Abb. 5 – 7).

Abb. 5 bis 7: Faltenwurf »Große Herkulanerin« im Vorzustand, während der Restaurierung und im Endzustand

Insgesamt waren beide Skulpturen relativ stark verschmutzt, in exponiert erhaben vorstehenden Partien geradezu speckig glänzend. Einige angesetzte Originalteile hatten keine feste Verbindung mehr, die hier verwendeten Dübel- und Klebematerialien erfüllten nur noch unzulänglich ihre statische Funktion. Die bündig angetragenen Ergänzungen und insbesondere die Farbretuschen waren nicht in jedem Fall qualitätvoll und sauber ausgeführt, das heißt klar und deutlich in Abgrenzung zu originalen Anschlussflächen und in der Farbgebung passend.

Maßnahmen

Reinigung

Neben der Neubefestigung loser Marmorteile, der Korrektur plastischer Ergänzungen und der Farbretusche, ging es vor allem auch um eine schonende, die ganz wenigen Reste antiker Bemalung erhaltende Oberflächenreinigung. Die Skulpturenoberflächen konnten nach entsprechenden Vorversuchen mit zwei verschiedenen Reinigungsmethoden mit gleichem Wirkungsgrad durchgeführt werden. Partien in unmittelbarer Nähe der Farbfassungsreste, sowie sämtliche farbretuschierten Ergänzungen und Fugen wurden mit Wattestäbchen, getränkt in deionisiertem Wasser und Ethanol (1:1), abgerollt. Die weniger kritischen großflächigen Marmorbereiche konnten mit deionisiertem Wasser und hierin gelöstem Celluloseleim (Tylose, MH 1000) mit weichen Borstenpinseln bzw. Schwämmen behandelt werden.

Abb. 8 und 9: Kopf der »Großen Herkulanerin« während der Restaurierung und im Endzustand

Montage, Ergänzungen, Retusche

Der Kopf der »Kleinen Herkulanerin« (Abb. 8, 9) und ein Faltenfragment der »Großen Herkulanerin« wurden abgenommen, die alten Dübel durch solche aus Edelstahl (Cr-Ni-Stahl, V 4A) ersetzt und mit einem reversiblen Acrylharzkleber (Kalloplast R) wieder kraftschlüssig verbunden. Wenn notwendig, wurde die plastische Form der Gipsergänzungen und das Fugenbild mit einem modifizierten Gips (Moltofill) korrigiert bzw. überarbeitet. Die abschließende Farbretusche, mehrschichtig und lasierend mit Acrylfarben aufgetragen, zielte auf eine optische Angleichung der hellen Gipsergänzungen an den eigentlichen Marmorfarbton ab (Abb. 10).

Abb. 10: »Große Herkulanerin«, Endzustand

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