Notre-Dame de Paris

Ein Brand am 15. April 2019 in Notre-Dame zerstörte zwei Drittel des Dachstuhls aus Eichenholz. Der hölzerne Vierungsturm, eine Schöpfung von Viollet-le-Duc aus dem 19. Jahrhundert, stürzte ein und durchbrach das Gewölbe an mindestens zwei Stellen.

Notre Dame vor dem Brand: Der 1859 von Eugène Viollet-le-Duc geplante
und errichtete Dachreiter brach am Abend des 15. April 2019 während des Brandes
von Notre-Dame in Paris zusammen. Zwei Tage später kündigte der französische
Ministerpräsident Édouard Philippe einen internationalen Architekturwettbewerb zum
Vierungsturm an. (Foto: Pixabay)

Die Ermittler gehen bislang von einem Unfall aus. Das vor dem Brand bei der Restaurierung des Daches federführende Unternehmen wies alle Anschuldigungen zurück, für den Ausbruch des Feuers verantwortlich zu sein. Die Schäden im Inneren der Kathedrale halten sich in Grenzen. Alle Stelen aus dem 18. Jahrhundert, die Fresken, die Kapellen, die große Orgel, die Rosettenfenster, blieben weitgehend erhalten. Am 19. April transportierte man die großen Ölgemälde – die eher Rauch- als Brandschäden erlitten, aus der Kirche an einen sicheren Ort. Allein um ein Gemälde abzuhängen dauerte es drei Stunden, ein Gerüst war aufzubauen. Der 1989 installierte Hochaltar ist durch den nach unten gestürzten Vierungsturm schwer beschädigt. Dass ca. 90 Prozent der Kunstwerke und Reliquien rechtzeitig vor den Flammen gerettet werden konnten, ist auch Ergebnis eines minuziös eingehaltenen Evakuierungsplans. Der Kirchenschatz besteht aus ca.1000 Objekten, Kelche, historische Kirchengewänder, großformatige Gemälde. Hilfskräfte hatten das Inventar mit einer Menschenkette aus der Kirche gebracht. Es gelangte zunächst ins Rathaus und soll im Louvre unterkommen.

Charlotte Hubert, Chefarchitektin der »Historic Monuments« und Sprecherin des Rekonstruktionsteams war vor Ort und berichtete von der Evakuierung: Jedes Objekt ist von einem Kurator und einem Feuerwehrmann unter Aufsicht inventarisiert und fotografiert worden. Dann wurde es verpackt und von zwei Polizisten und einem Mitglied des Kulturministeriums an einen sicheren Ort gebracht, die tausend Artefakte der Schatzkammer und am 19. April die Objekte in der Kirche nachdem die Einsturzgefahr gebannt war. Aktuell sind mehr als 60 Architekten, Zimmerleute, Maurer, Steinmetze, Glasbauer und Dachdecker damit beschäftigt, Teile der Kathedrale abzusichern, um sie vor dem Einsturz zu bewahren. Über das Kirchenschiff wurde eine riesige Plane gelegt, die das Innere vor Regen schützt. Die Seitengiebel und das obere Gewölbe sind von Feuer und Löschwasser so stark beschädigt, dass sie gestützt werden müssen. Ein großes Glück ist, dass die gesamte Kirche, auch der jetzt verlorene Dachstuhl, Ende 2018/Anfang 2019 digitalisiert und 3D-gescannt wurden.

Emmanuel Macron versprach bereits einen Tag nach dem Brand: »Wir werden Notre-Dame noch schöner wieder aufbauen und ich möchte, dass dies innerhalb von fünf Jahren geschieht«. Im Sommer 2024 finden die Olympischen Spiele in Paris statt. Bisher wurden für den Wiederaufbau ca.700 Millionen Euro gespendet. Ein Gesetz soll helfen, die Restaurierungsarbeiten an der Kathedrale zu beschleunigen. Es sieht vor, dass beim Wiederaufbau gegen Regeln des Denkmal- und Umweltschutzes verstoßen werden darf.

Geschichte Notre-Dame de Paris

1163 gab der Pariser Bischof Maurice de Sully den Auftrag, eine Kathedrale zu errichten. Der Standort mitten in Paris war nicht zufällig gewählt. Zuvor befand sich an der selben Stelle ein römischer Tempel. Der Bau erstreckte sich über zwei Jahrhunderte und musste mehrere Plünderungen erleben. Zuerst wurde der Chorbereich errichtet. 1220 fand der erste Gottesdienst statt. Berühmt wurde die Kathedrale auch durch den Roman vin Victor Hugo 1831 »Der Glöckner von Notre-Dame«. Am 24. August 1944 hatte das Glockenläuten von Notre-Dame die Befreiung von Paris von der deutschen Besatzung verkündet. Jährlich besuchen ca. 13 Millionen das Denkmal.

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