Editorial

Ein Restaurator als Kunstsammler? Das erstaunt oder liegt es vielleicht doch nahe? Wolfgang Hahn (1924–1987) war Chefrestaurator des Wallraf-Richartz-Museums und des Museums Ludwig in Köln. Diese Perspektive prägte seinen Blick auf die zeitgenössische Kunst.

Hahn besuchte Fluxus-Aktionen und Happenings, befasste sich mit neuer Musik. Das Werk von Daniel Spoerri »Hahns Abendmahl« entstand in seinem Haus, in seinem Wohnzimmer Lawrence Weiners Konzept »A square removal from a rug in use«. Der Gemälderestaurator kaufte von den Künstlern seiner Zeit nicht nur Konzepte und Partituren, sondern auch Audioarbeiten und 16-mm-Filme. 1978 erwarb Österreich seine Sammlung und vervollständigte sie 2003 durch weitere Ankäufe. Jetzt befindet sie sich im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok). Bis September zeigte das Museum Ludwig die Ausstellung »Kunst ins Leben« als ein abgeschlossenes Zeitzeugnis des Restaurators Wolfgang Hahn als Sammler (siehe unten). Vom 10. November 2017 bis 24. Juni 2018 ist die Schau im mumok in Wien zu sehen.

Kunst ins Leben! Der Sammler Wolfgang Hahn und die 60er Jahre
(Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Britta Schlier)

Sicher, eine Person wie Wolfgang Hahn ist eine Ausnahmeerscheinung. Und doch zeigt sie, wie universal der Beruf des Restaurators ist, wie nah am Puls der Zeit. Nicht unbeeindruckt dürfen uns deshalb auch heutige Entwicklungen lassen. »Wir befinden uns an einer Epochenschwelle, die nicht nur die Welt der Arbeit, wie wir sie bisher kennen, fundamental verändern wird«, so die Worte von Prof. Dr. Ellen Fricke, TU Chemnitz. Und sie fügte hinzu, dass die Welt der Arbeit »zugleich einen Umschlagpunkt der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung markiert, an dem sich unsere konkreten Beziehungen zu Objekten grundsätzlich wandeln«.

Museumspädagoge Dirk Sorge bearbeitet in der museumspädagogischen
Werkstatt des Industriemuseums Chemnitz Handskulpturen
(Foto: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt)

Das sagte sie in Zusammenhang mit einer Sonderausstellung. »Gesten – gestern, heute, übermorgen« wird vom 17. November 2017 bis 4. März 2018 im Industriemuseum Chemnitz gezeigt. Es geht aber nicht nur um Gesten, sondern um die Arbeitswelt der Zukunft. Denn das historische Wissen etwa des Hämmerns oder Spinnens droht im aktuellen technologischen Wandel zunehmend verloren zu gehen. Das trifft vor allem auch auf Gewerke zu, die für den Erhalt von Denkmälern gefragt oder bereits als kulturelles Erbe gelistet sind.

Christa Kant an einem Nachbau einer Spinning Jenny: Im Vergleich
zur Handspindel und zum Spinnrad bedienen die Hände nur noch die Maschine.
(Foto: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt)

Geht man von diesem Fakt aus, wird es restauratorisch/konservatorisch mehr denn je zukünftig nötig sein, nicht nur die Herstelltechniken eines Objekts zu studieren, sondern auch die Fähigkeiten des zukünftigen Restaurators mit seinen Händen Handwerkliches zu verrichten, nicht zu vernachlässigen. Denn je mehr Digitalisate unsere Welt, auch die der Museen beherrschen, umso mehr droht nicht nur das Original, sondern auch dessen Erhalt, der nicht nur in der Prävention liegen kann, manuell zu entschwinden. Wie aber dennoch neue Verfahren helfen, soll eine Tagung vermitteln, die der VDR am 2. und 3. März 2018 organisiert, mit freundlicher Unterstützung der Hochschule für Bildende Künste Dresden: »3D – Durchblick oder Datenmüll? Dreidimensionale Scan-Verfahren in der Konservierung Restaurierung«. Die wissenschaftlich fundierte Konservierung und Restaurierung von Kunst und Kulturgütern verlangt heute wie damals eine universelle Schulung, die alte Fertigkeiten und neue Entwicklungen vereint und den Blick auf Nachbardisziplinen weitet.

Ulrike Besch

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