Editorial

Von Deutschen geschulte Restauratorin bei der Riss­verklebung in Bamako/Mali (Foto: Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC))

Wie bildintensiv die Zerstörung aber auch die Rettung von Kulturerbe geworden ist, belegen nicht nur Videos für Spezialisten. Inzwischen füllen auch die Fernsehprogramme Sendungen, die, höchst anschaulich und gut recherchiert, die weltweiten Zerstörungen wie auch Rettungs­aktionen dokumentieren. Und zwar zur besten Sendezeit ab 20 Uhr! Da ist etwa die Geschichte vom »Schatz von Timbuktu«, die die ARD am 22. Februar 2017 ausstrahlte. Gefilmt sind die Dschihadisten, die im März 2012 in der Wüstenstadt im Norden Malis Mausoleen und Moscheen zerstörten. Da ist aber auch die beispiellose Rettung von über 300.000 Manu­skripten in riskanten Geheimtransporten per Eselskarren zu sehen. Danach schwenkt die Kamera in die Restaurierungsateliers von Bamako, der Hauptstadt Malis, wo einheimische Restauratoren sich nach augenscheinlich professionellen Richtlinien ans Werk machen.

Bei all diesen Rettungsarbeiten spielen Deutsche eine wegweisende Rolle. Längst hat man sich darauf verständigt, wie wichtig es ist, Einheimische in den Erhaltungsprozess einzubeziehen, ihnen das notwendige Knowhow, Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln. In Bamako hat das Projekt, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und weiteren internationalen Partnern, zu dieser Selbstständigkeit geführt. Eine malische Restauratorin sichert die Risse und Bruchstellen der fragilen Seiten mit Japanpapier: Die Gerda Henkel Stiftung wird »Wissenschaftsstiftung des Jahres 2017«!

Die Buddha-Statuen in Afghanistan, die assyrischen Skulpturen im Museum von Mossul, die Ruinen von Nimrud, die Tempel von Palmyra: Nichts bleibt den Kameras verborgen, die uns den Schrecken in unsere Wohnzimmer tragen. Die aber wirklich gute Nachricht ist: Wir erfahren, mindestens genauso hautnah visualisiert, was die Menschen erfinden, um mit diesem Verlust umzugehen: Welche technologischen Innovationen zu einer zumindest teilweisen Wiederherstellung führen, welche Ideen entwickelt werden, die Replik als Gegen­mittel einzusetzen, als Paukenschlag gegen das Vergessen, als Warnung vor weiteren Zerstörungen von identitätsstiftendem Kulturgut, was – so argumentiert man inzwischen – einem Völkermord nahe kommt.

Triumphbogen von Palmyra als 3D-Nachbildung in New York (Foto: Simon Haisell)

Besonders bemerkenswert ist die steinerne 3D-Nachbildung des Triumphbogens von Palmyra: Nicht nur in London und New York war das Mahnmal zu sehen: Im nächsten Jahr wird es anlässlich des »World Government Summit« im Februar 2018 in Dubai aufgestellt, womit die Nähe von Kulturerbe zu Politik zum Manifest wird. Die »New York Times« wählte den 3D-Triumphbogen zum Objekt des Jahres 2016.

Auch die politischen Interessen, die aus solcher Wut im Bauch gegen Zerstörungsexzesse entspringt, setzt sich ein für das, was Restauratoren schon immer bewegt: für den Erhalt, für den Schutz, für die Sorge um das Kulturerbe. Programme für die Digitalisierung werden aufgelegt, Projekte gefördert, die innovative Ansätze für noch bessere Konzepte versprechen. Das geschieht weltweit, so wie auch die Restauratoren weltweit agieren, unterstützen, zur Seite springen, wenn gerade Not am Mann ist.

Ein bisschen nährt das die Hoffnung, dass alle diese Aktionen auch dem Ansehen des Berufs förderlich sind. Da kommt die Meldung des VDR über neue Entgeltsregelungen, da spinnt sich ein Faden zu einer positiven Situation des Berufsstands, der in Richtung einer besseren Zukunft deutet.

Ulrike Besch

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