Editorial: Politik und Kulturerbe

Politik instrumentalisiert Kulturerbe. Das war immer schon so, gewinnt aber in der derzeitigen Lage eine neue Dimension. Von höchster Symbolkraft zeugte zum Beispiel die Zerstörung der Buddhas von Bamiyan 2001. Am Lehrstuhl für Restaurierung, Kunst­technologie und Konservierungswissenschaft an der TU München angesiedelt ist das Projekt »Afghanistan: Cultural Landscape and Archeological Remains of the Bamiyan Valley (UNESCO)«. Die »Working Group« tagte vom 1.–3. Dezember 2016. 15 Jahre nach der Sprengung stehen die erforderlichen Mittel für die Rekonstruktion mit originalen Fragmenten nicht zur Verfügung. Unendlich waren und sind die Mühen der Sicherung der Nischen, der Kulträume und der Lehmstuckreste, wie der vorläufige Werkbericht in Buchform darlegt.

Das Traditional Art Museum in Aleppo im Dezember 2016
(Fotos: DGAM, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International License)

Was aber in Palmyra 2015 passierte und wieder jüngst seit Mitte Dezember 2016 passiert, ist mehr als das Auslöschen von Identitätsmalen einer Kultur, es ist ein ineinander Fallen von Mensch und Bild in einer ganz besonderen Weise, die auf die Austauschbarkeit der jeweiligen Werte setzt. Das Sprengen von Säulen, an die Menschen gebunden werden, erschüttert, so geschehen am 26. Oktober 2015. Diese neue Dimension des Einsatzes von Kulturgut als Vernichtungsstrategie beschreibt eindrücklich der Kunsthistoriker Horst Bredekamp in dem schmalen Bändchen »Das Beispiel Palmyra«, das einen neuen verstörenden Blick auf die Situation durch die Kämpfer des sogenannten IS wirft. Geschundene Menschen als Bilder einzusetzen ist beispiellos in der Geschichte.

Da ist es geradezu human, wenn eine Bombendrohung am 3. Januar 2017 zur sofortigen Räumung des Victoria & Albert Museum in London führte. International bekannte Werke gelten als gefährdet, weil Anschläge weltweit Beachtung finden könnten. Das Fatale ist, dass die Bildkraft der Medien diese neue Waffe führt, das Grauen, das diese Bilder erzeugen, jedermann zugänglich ist, auch wenn er sich zu entziehen versucht.

Was tun zum Schutz der Kulturerbestätten in Syrien, allein sechs stehen auf der Unesco-Liste? Mit Erstaunen war wahrzunehmen, dass ein international besetztes Kolloquium am 10./11. Dezember in Damaskus stattfand: »New Visions and Proposals for the Resilience of the Syrian Heritage«. Referenten vornehmlich aus Syrien, aber auch aus Italien, Frankreich und anderen Ländern berichteten über Konservierungs- und Restaurierungsperspektiven und die jeweiligen Programme, die die Länder auflegen (mehr dazu unten). Man stelle sich den Kugelhagel vor, dem die konferierenden Wissenschaftler im Damaszener Raum des Nationalmuseums in Damaskus hätten ausgesetzt sein können!

Was ermutigt ist das Zusammenstehen der Gemeinschaft, um Menschen wie deren Geschichte nur irgendwie zu helfen. Enorme Anstrengungen sind das, großartige Ideen werden entwickelt, Mut aufgebracht, um Kulturerbe zu schützen, zu retten, Wiederaufbau­programme aufzulegen. Mögen alle Initiativen in dieser Richtung noch 2017, jedenfalls so schnell wie möglich, in die Tat umgesetzt werden.

Ulrike Besch

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