Editorial (Herbst 2018)

Restauratorische Fachbauleitung

»Gut geplant ist halb gewonnen« hieß eine Tagung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München (BLfD), das ein wichtiges Thema aufgriff: die Komplexität von Großbauprojekten. Wie schwierig eine solche Bauaufgabe sein kann, wurde etwa am Beispiel der Stadtpfarrkirche St. Jakob in Straubing deutlich. Prof. Erwin Emmerling betonte, dass bei solchen Großrestaurierungen praktisch kein Stein auf dem anderen bleibt, auch wenn das nicht wünschenswert ist. Welch eminente Rolle die restauratorische Fachbauleitung dabei einnimmt, ist vorstellbar. Doch noch immer gibt es keine einheitliche Honorarordnung für diese kleine Berufssparte, die ja schon länger existiert. Ein wirkliches Desiderat!

Die Referenten der »Werkstattgespräche« des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege
(Foto: BLfD)

Und noch ein anderes Manko wird immer wieder angemahnt: Mit Angeboten zu Dumpingpreisen muss sich qualitätvolle Denkmalpflege widerwillig auseinandersetzen und dagegen argumentieren. Eine pfiffige Idee für die Zukunft könnte sein, den billigsten Bieter grundsätzlich aus der Liste zu streichen. Qualitätssicherung, wie kann sie erreicht werden? Da gäbe es auch beispielsweise das Sechsaugenprinzip: das heißt bei der Abnahme sind nicht nur Architekt und Fachbauleiter zugegen, sondern noch eine dritte Person schaut auf das Erreichte. Dipl.-Ing. Michael Nadler sprach sich auch gegen öffentliche Ausschreibungen aus, denn für bestimmte Arbeiten sind eben einfach ausgesuchte Fachfirmen nötig.

Während der Tagung »Gut geplant ist halb gewonnen« des BLfD im Literaturhaus München,
Referentin Dr. Susanne Fischer (Foto: BLfD)

In diesem Zusammenhang war es eine schöne Geste, dass die Freiburger Münsterbauhütte einen Eintrag in die UNESCO-Liste für immaterielles Kulturerbe erhielt für das Bewahren der historischen Substanz. Mit einem Fest für die Bevölkerung feierte sie im September das Ende der komplexen Restaurierungsarbeiten am Turmhelm des Münsters (siehe Artikel dazu).

Weltkulturerbe Naumburger Dom: Stifterfigur Graf Sizzo von Kevernburg Weltkulturerbe Naumburg: Stifterfiguren Ekkehard II. und Uta von Naumburg
(Fotos: Förderverein Welterbe Saale Unstrut/Guido Siebert)

Unesco

Weltweit erstarken derzeit nationalistische Strömungen. Die USA beispielsweise zahlt keinen Beitrag mehr an die UNESCO. Die Welterbekonvention, die die Anträge prüft und um den Erhalt der Erbestätten kämpft, musste deshalb ihre Mitglieder reduzieren.

Aber wie definiert sich Kulturerbe? Bei der Entscheidung über die Aufnahme in die Welterbeliste werden die übergreifenden Kriterien der Einzigartigkeit, der Authentizität (historische Echtheit) und der Integrität (Unversehrtheit) angewendet. Das jüngste Beispiel ist der Naumburger Dom als »Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft«. Im Hinblick auf Europa und die 2019 beginnende neue Legislatur des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission sollen die identitätsstiftenden Potenziale des Kulturerbes stärker als bisher in den politischen Diskurs einfließen. Der »Berliner Appell« ist ein wesentlicher Beitrag zur »Neuen europäischen Agenda für Kultur« und dem »Aktionsplan für Kulturerbe«.

Ulrike Besch

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