Editorial

Irreparabel? Gemälde »La Moisson« von Alexandre Dubuisson 1850 (Foto: Besch)

Eine bemerkenswerte Ausstellung in kleinem Format gelangte nach Deutschland, genauer in das »BNKR« in Schwabing/München. Sie gab Einblick in die Sammlung geretteter Kunst der Künstlerin Elka Krajewska. In »salvage art« nimmt sich die New Yorkerin Werken an, die auf dem Transport einen »Totalschaden« erlitten. Für die AXA Art Insurance Corporation« werden solche Kunstwerke nach Auszahlung der Schadensersatzleistung offiziell wertlos. Sie landen in den Lagern der Versicherung. Krajewska bringt sie wieder ans Licht und hinterfragt – so ihr künstlerischer Ansatz – unsere Wahrnehmung von Kunst in Koppelung an den Wert, der diesen Werken vom Markt zugewiesen wird.

Unverständlich bleibt, warum die Werke, immerhin sind solche von Jeff Koons, Robert Rauschenberg und Jim Dine dabei, nicht restauriert werden. Damit stellt sich auch die Frage, inwieweit Restaurierung abhängt von der Deklarierung als Kunstwerk mit entsprechendem Marktwert. Ist die Versicherung das Zünglein an der Waage, wenn es darum geht ein Werk in den Keller verschwinden zu lassen? Ist es der Versicherungsnehmer? Wer sagt, dass es nichts mehr wert ist? Und wer unterbindet Restaurierung, wo sie möglich und anzuraten wäre? Ein Skandal tut sich da auf, der den Weg in die Öffentlichkeit noch gar nicht richtig gefunden hat.

Ein anderer Fall, der nachdenklich stimmt: Das Auktionshaus Christie’s in New York versteigerte Mitte November das Gemälde »Salvator Mundi« von Leonardo da Vinci für sagenhafte 450,4 Millionen Dollar. Das war die höchste Summe, die je für ein Kunstwerk erzielt wurde. Wer es gekauft hat, ist nicht ganz sicher. Jedenfalls soll das Bild in Kürze im neu eröffneten Louvre Abu Dhabi gezeigt werden. Die Autoren der Süddeutschen Zeitung sagen, dass die Hinweise auf eine Autorschaft Leonardos so dürftig sind wie bei keinem anderen seiner musealen Gemälde.

»Salvator mundi«, Öl auf Walnussholz, 66 x 46 cm, Leonardo da Vinci zugeschrieben, um 1500
(Foto: Tim Nighswander, www.imaging4art.com)

Auf Instagram unter #Salvator mundi findet sich dazu folgender Post: »The Lourve Abu Dhabi recently bought a da Vinci! The painting is called Salvator Mundi, and it’s the most expensive painting ever sold! The painting was thought to be a copy until Dianne Dwyer Modestini was asked to restore it, who was shocked to realize it was the lost da Vinci masterpiece! The work had to undergo a lot of scrutiny, including x-rays and other imaging tests that revealed undeniable evidence of da Vinci’s style underneath a lot of damage and overpainting.cnn.com.«

In der Praxis stellt sich beständig die Frage nach der Echtheit. Mit Mitteln der Kunst­technologie können anhand von Infrarot­technologie, Röntgen, Pigmentanalysen etc. Auskünfte über das Alter und eventuell Künstlerschaft ermittelt werden. Dazu kommt die Stilkritik der Kunsthistoriker, vergleichende Analysen. Eine Sicherheit gibt es jedoch nicht. Und so bleibt die Frage nach der Urheberschaft offen – in diesem Fall wegen des hohen Preises besonders delikat.

Ulrike Besch

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