Restaurierung plus X

Interview

»Restaurierung plus X« hieß eine Vortragsreihe im Hornemann Institut in Hildesheim im ersten Halbjahr 2016. Besonders spannend, denn es ging um ein für den Beruf des/r Restaurators/in geradezu typisches Phänomen: Das Studium ist relativ lang, der Beruf ist derzeit nicht mehr so »trendy«, dennoch fühlen sich junge Leute angesprochen und lernen sogar noch weiter. Liegt es an dem multidisziplinären Berufsfeld, das zu Höherem ermuntert? Sind es die nicht gerade rosigen Berufsaussichten bei geringem Lohn, die trotz der mehrjährigen Ausbildung dazu verleiten, sich weiter zu qualifizieren und vielleicht auch in einen anderen Beruf zu wechseln?

Wir fragten Dr. Kerstin Klein. Sie ist nicht nur Diplomrestauratorin (FH) für Wandmalerei und Stein, sondern auch noch Master of Arts in Heritage Conservation. Zudem schrieb sie eine fachbezogene Dissertation in Chemie und ist jetzt Dr. rer. nat.

Das kann ich so nicht bestätigen. Da ich immer im denkmalpflegerischen Bereich tätig gewesen bin und während meines Studiums und meiner anschließenden Berufstätigkeit stets über materialkundliche Fragestellungen gearbeitet sowie meine Doktorarbeit zu dem Thema verfasst habe, würde ich auch gerne in diesem Bereich weiterarbeiten. Eine Einrichtung indes, die auf die materialkundliche Erforschung organischer Bindemittel im Bereich der Denkmalpflege ausgelegt ist, gibt es bislang noch nicht. Die Forschungsinstitutionen, die sich dieser Materie widmen, sind alle auf Museen und somit auf Gemälde, Skulptur usw. bezogen.

Zu meiner Zeit war ein dreijähriges Praktikum die Voraussetzung zur Zulassung zum Studium. Anschließend habe ich mich dann nicht sofort für einen Studienplatz beworben, sondern bin aus einem kleinen Restaurierungsbetrieb in eine große Firma gewechselt, um zu erfahren, ob und wo es Unterschiede gibt. In diesen insgesamt fünf Jahren habe ich sehr viel gelernt. Dann erst habe ich studiert. Mit den in diesen insgesamt neun Jahren erworbenen Kenntnissen konnte ich mich gut auf dem Arbeitsmarkt behaupten. Das ist heute ganz anders. Es wird nur noch ein einjähriges Praktikum verlangt, sodass alles, was ich in meinem Praktikum und meiner Berufstätigkeit gelernt habe, von den Hochschulen vermittelt werden muss, was meines Erachtens kaum zu leisten ist.

Grundsätzlich halte ich es für ausgesprochen wichtig, sich kontinuierlich fortzubilden. In der Restaurierung müssen wir uns alle selbstreflektierend ständig weiterentwickeln.

Das ist quasi ein Prozess. Jede neu auftauchende Fragestellung spornt mich an, der Sache auf den Grund zu gehen. Ich würde mir allerdings wünschen, dass – nach meinem Aufbaustudium und meiner Dissertation – meine Zusatzqualifikationen honoriert werden, auch in materieller, sprich finanzieller Hinsicht.

Baustellengespräch mit Kolleginnen im Mausoleum Völkers auf dem Friedhof Engesohde in Hannover, 2016
(Foto: Kerstin Schönewald)

Ich habe mich für das Aufbaustudium freistellen lassen und die Masterarbeit sowie die Dissertation neben meiner Berufstätigkeit verfasst. Das ist ziemlich anstrengend. Das muss man bedenken, wenn man sich für diese Form der Weiterbildung entscheidet.

Ich als in der Denkmalpflege tätige Restauratorin wünsche mir Kollegen/innen, die einen starken Praxisbezug haben, untersuchen, konzipieren, dokumentieren und restaurieren können. Der Bezug zur praktischen Arbeit kommt mir heute im Studium oftmals zu kurz. Dies liegt meines Erachtens vor allem an den geänderten Studienrichtlinien.

Wir alle lernen lebenslang, egal ob im (Berufs-)Alltag oder im Studium. In der Ausbildungsphase muss sich keineswegs ein Studium an das nächste anschließen. Bei mir lagen zwischen dem Studium der Restaurierung und dem der Denkmalpflege neun Jahre. Ich habe berufsbedingt viel mit anderen Fachdisziplinen zu tun, daher war für mich das interdisziplinäre Studium der Denkmalpflege sehr hilfreich. Darüber hinaus macht es unglaublich viel Spaß. Zur Dissertation bin ich gekommen, weil ich mich bereits im Studium intensiv mit Bindemitteln beschäftigt habe. Während meiner Berufstätigkeit habe ich im Rahmen verschiedener Forschungsprojekte an diesem Thema gearbeitet. Da war es nur konsequent, über dieses Thema zu promovieren.

Inaugenscheinnahme einer Zelle in der Hinrichtungsstätte in der JVA
Wolfenbüttel, 2015 (Foto: Stefan Wilbricht)

Das Berufsbild wird sich meiner Einschätzung nach wandeln. Die Entwicklung wird dahin gehen, dass es den/die »restaurierende/n« Restaurator/in geben wird, der/die die klassische Bandbreite der Restaurierung abdecken wird. Daneben wird der/die »planende/n« Restaurator/in die Vorbereitung und Leitung der Restaurierungsmaßnahmen übernehmen. Eine weitere Veränderung unseres Berufsbildes sehe ich in der Forschung, die meiner Ansicht nach nicht in das klassische Studium der Restaurierung gehört. Die Studierenden sollten erst einmal lernen zu restaurieren, denn erst beim Restaurieren tauchen die Fragen auf, die zu guten Forschungsprojekten führen. Die Materialforschung könnte Thema eines Aufbaustudiums sein, ähnlich wie heute bereits Denkmalpflege Teil eines Aufbaustudiums ist. Die Ausbildung sollte sowohl praxisorientiert, naturwissenschaftlich als auch werkstoffgeschichtlich geprägt sein. Die Lehre wäre von Restauratoren/innen, die sich im naturwissenschaftlichen Bereich qualifiziert haben, gemeinsam mit Naturwissenschaftlern/innen zu leisten.

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