Interview: Ripolinfarbe für Möbel um 1900

Zur Zeit wird Richard Riemerschmid (1868-1957) im Germanischen Nationalmuseum mit einer Möbelausstellung geehrt (bis 06. 01. 2019). Es ist der dritte Jugendstilkünstler nach Henry van de Velde und Peter Behrens, den das Museum zeigt. Vom 30.11.2017 – 06.05.2018 stand Peter Behrens im Mittelpunkt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war er Mitglied der Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt. Für Nürnberg schuf er 1901/02 nicht nur Zimmereinrichtungen, von Möbeln über Gläser, Geschirr, Besteck, Tisch- und Haushalts­wäsche bis hin zu Monogramm- und Exlibris-Entwürfen, sondern gab auch Meisterkurse am Gewerbemuseum. Die Schau »Peter Behrens. Das Nürnberger Intermezzo« zeigte sein kurzes Wirken in der Stadt.

Martin Meyer vor einem Möbelensemble von Peter Behrens
(1848–1940) aus dem Besitz des GNM (Foto: Christine Kühne)

Restauratorisch interessant sind die Möbel und deren Fassungsaufbau. Dipl.-Ing. Martin Meyer, Restaurator für Möbel am Institut für Kunsttechnik und Konservierung (IKK) am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, untersuchte im Rahmen der Ausstellungs­vorbereitungen die Fassung der Möbel und stieß auf die Anstrichfarbe »Ripolin«, die auch nach der Ausstellung weiter erforscht werden soll.

Das 1902 von der Unternehmerfamilie Reif in Auftrag gegebene
und von dem Nürnberger Tischler Mönius gefertigte Küchenmöbelensemble
aus dem GNM (Foto: GNM)

Wie kamen Sie darauf, den besonderen Fassungsaufbau der Küchenmöbel zu studieren?

In den Archivalien fanden wir eine Rechnung des Nürnberger Möbelschreiners Johann Mönius, der die Küchenmöbel für die Familie Reif hergestellt hat. Peter Behrens entwarf die Ausstattung einer 6-Zimmer-Wohnung anlässlich der Hochzeit von Theodor Schilling mit der Brauereibesitzertochter Clara Reif, überließ die Schreinerarbeiten aber Mönius. Dieser erwähnte explizit den dreifachen Anstrich, über den zuletzt eine Schicht »Ripolinfarbe« kam.

Dose der Anstrichfarbe »Ripolin«, 1897 in den Niederlanden erfunden (Foto: Wikimedia Commons / Alf van Beem CC0)

Was ist »Ripolin«?

»Ripolin« ist eine sogenannte Emailfarbe. Sie wurde 1897 in den Niederlanden von Carl Julius Ferdinand Riep erfunden und dann in Frankreich als Anstrichfarbe für Bootsaufbauten und Bauteile unter dem Namen »Ripolin« hergestellt. Es handelt sich um eine Öl-Harzfarbe, die einen geringen, aber fein gemahlenen Pigmentanteil hat. Sie verläuft gut und hat einen leicht transparenten Charakter, sodass der Anstrich emailartig wirkt. Wir wissen, dass dieser Anstrich auch von Picasso und LeCorbusier als Künstlerfarbe verwendet wurde.

Was war bisher bekannt bezüglich des Fassungsaufbaus?

Wir wussten bereits aus den Dokumentationen, dass die heute oben liegende Schicht eine Rekonstruktion aus den 1980er Jahren ist. Der Schichtquerschliff eines Gästezimmermöbels zeigte dann einen umfangreicheren Aufbau, der uns vermuten ließ, dass es sich bei den ersten vier Schichten um die ursprüngliche Fassung handelt. Die oberste der vier Schichten könnte eine sogenannte Emailfarbe der Firma »Le Ripolin« sein.

Kühne: Woran forschen Sie jetzt weiter?

Meyer: Als nächstes werden wir von den Küchenmöbeln einen Anschliff erstellen. Wünschenswert wäre es dann, die genaue Zusammensetzung der Farbe zu analysieren.

Das Interview führte Dr. Christine Kühne.

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