Vogelbauervasen-Projekt

In der Dresdner Porzellansammlung werden neun »Vogelbauervasen« restauriert, Imari-Vasen mit Lackauflagen. Sie wurden um 1700 in Japan speziell für den Export nach Europa hergestellt und verbinden barocke Opulenz mit japanischer Technologie und Kunstfertigkeit.

Vogelbauervase, Japan, um 1700, Höhe 52 cm,
Durchmesser 37 cm, Porzellansammlung (Foto: SKD/Magdalena Kozar)

Heute sind die dekorativen aber unbeständigen Auflagen aus Urushi-Lack aller Vasen ganz oder teilweise abgefallen. Restauratorin Magdalena Kozar reiste im vergangenen Jahr für einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt nach Japan. Mit im Gepäck hatte sie eine der Vasen aus Dresden für eine beispielhafte Bearbeitung m »Tokyo National Research Institute for Cultural Properties« (TOBUNKEN), das die Restaurierung der Dresdener Exemplare sponsert. Mit Hilfe von Computertomographie und Röntgenfluoreszenz-Verfahren ermitteln die Japaner die Zusammensetzung der Materialien und Formelemente. Anhand der Ergebnisse wäre auch eine material- und technologiegetreue Ergänzung verlorener Dekore möglich. Die wichtigste Frage war die nach der Vereinbarkeit östlicher und westlicher Herangehensweise. In Europa achtet man auf Reversibilität, in Japan dagegen wird das Objekt mit solchen Materialien restauriert, die man auch im Herstellungsprozess Verwendung fanden.

Beschreibung

Das außergewöhnliche Objekt hat einen trompetenförmigen Gefäßkörper und ist sowohl außen wie innen unterglasurblau bemalt. Im unteren Bereich umschließt das Gefäß ein vergoldeter Metallkäfig, der mit einem Wolkenkragen aus ebenfalls vergoldetem Papiermaché verziert ist. Im Inneren des Käfigs sitzen zwei Porzellanvögel vor goldenem Hintergrund auf naturalistisch staffierten, hölzernen Felsen. Vier große lanzettförmige Felder im oberen Bereich der Vase sind aus der glasierten Oberfläche ausgespart und mit goldenem Urushi-Lack gefüllt. Die Vielfalt der Materialien stellt für die Restaurierung eine große Herausforderung dar.

Restauratorische Herausforderung

Lack reagiert auf jeden Wechsel von Luftfeuchtigkeit und Temperatur mit einer zumindest geringfügigen Veränderung der Ausdehnung – Porzellan dagegen ist relativ stabil. Dies führte im Verlauf der vergangenen 300 Jahre dazu, dass die Auflagen abfielen oder die Haftung zur Porzellanoberfläche verloren haben. Es war deshalb notwendig, geeignete Klebstoffe zu finden, um diese beiden Materialien dauerhaft miteinander verbinden zu können.

Urushi-Lack und Fischleim

Urushi ist die Bezeichnung für einen natürlichen Lack, der aus den Lackbäumen in mehreren ostasiatischen Regionen gezapft wird. Der rohe flüssige Lack wird nach dem Aushärten durch Polymerisation dunkel und unempfindlich gegen Temperatur, Wasser, Alkohol, Säuren und Lösungsmittel. Urushi als Restaurierungsmittel ist sehr vielseitig und je nachdem, wofür der Lack Verwendung finden soll, kann man ihn mit entsprechenden zusätzlichen Stoffen wie Wasser, Mehl, Hanf, Stoff, Sägespäne von Kiefernholz, Tonpulver, aber auch Lösungsmitteln mischen. Der Lack wurde – obwohl irreversibel – als Hauptstoff für die Konsolidierung, Befestigung, Ergänzung, Retusche und auch für Proben zur Musterrekonstruktion verwendet. Wo Urushi direkt auf dem Porzellan lag, wurde mit Fischleim geklebt.

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