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Tagungsberichte

Tagung »Plastics Heritage«
vom 27.–29. Oktober 2016 in Berlin

An der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) fand das vierte Forum Kunststoffgeschichte statt, zum zweiten Mal im internationalen Format. Ausgerichtet haben es der Studiengang Moderne Materialien und Technisches Kulturgut (MMTK, Prof. Ruth Keller) an der HTW, die Deutsche Gesellschaft für Kunststoffgeschichte e.V. (dgkg, Dr. Günter Lattermann) und der Förderverein des Studiengangs KRG an der HTW Berlin (KOREGT e.V., Dipl. Rest. Tatjana Held). 110 Teilnehmer aus 15 Ländern informierten sich in 23 Vorträgen und 9 Poster zweieinhalb Tage lang über Kulturgut aus Kunststoffen und ihren Vorläufern, aus den Gebieten Konservierung/Restaurierung, Sammlungen, Kunst, Design und Materialgeschichte.

Die Teilnehmer der Tagung »Plastics Heritage«

Nach einer Einleitung durch Prof. Ruth Keller sprach der Präsident des VDR Dr. Jan Raue ein Grußwort. Danach gab Dr. Günter Lattermann den Start frei für die Tagung. Nach drei Vorträgen aus den Bereichen Kunst, Sammlungen und Design waren am frühen Nachmittag alle Teilnehmer und zahlreiche auswärtige Besucher bei der Eröffnung der Fotokunst­ausstellung »Plastic Vanitas« zugegen. Danach hörten die Teilnehmer Vorträge aus den Bereichen Museen, Sammlungen und Archive. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein feierliches Abendessen im sehenswerten Industriesalon Oberschöneweide.

Am Freitag wurden Themen aus den Bereichen Kunstgeschichte und vor allem Restaurierung behandelt. Danach führte Prof. Ruth Keller durch die großen, gut ausgestatteten Ateliers und Messlabors des Studiengangs Moderne Materialien und Technisches Kulturgut MMTK, was allgemein großes Interesse fand. In der nachfolgenden Postersession wurden haupt­sächlich Restaurierungsthemen diskutiert. Dies wurde dann mit »HTW«, d.h. »Ham, Treats and Wine« vertieft.

Am Samstagvormittag waren nochmals Themen aus Restaurierung, Kunststoffgeschichte und Sammlungen an der Reihe. Den Abschluss bildete ein wundervoller Vortrag über die Leidenschaft für Kunststoffblumen.

Die interdisziplinäre Ausrichtung der Tagung fand allgemein außerordentlich großen Anklang, viele Kontakte wurden geknüpft, konkrete Restaurierungsprobleme mit anderen Fachleuten diskutiert und Kooperationen vereinbart. Diesen Forumscharakter wollen die Organisatoren in der nächsten Konferenz in Berlin im Oktober 2018 noch verstärken.


Future Talks 013
Technology and Conservation of Modern Materials in Design

23.–25. Oktober 2013 in München

»Future Talks«, das ist eine internationale Tagung für die Restaurierung/Konservierung moderner Materialien. Sie ist bereits Institution: Seit 2009 trifft man sich alle zwei Jahre in München, in der Pinakothek der Moderne, die auch das Designmuseum: Die Neue Sammlung – The International Designmuseum Munich, beheimatet.

Delia Müller-Wüsten bei ihrem Vortrag »Panton Chair Made of Luran S – Can Cracks be joined?« (Foto: Besch)

Die Konservierung bzw. Restaurierung von Objekten aus Kunststoffen bzw. anderen modernen Materialien ist eine Herausforderung. Man denke – nur als eines von vielen Beispielen – an einen Panton Chair aus dem Material Luran S. Der Stuhl war gebrochen, die Frage, die sich stellte war: Kann die Funktion dieses Sitzmöbels durch Kleben wieder erreicht werden? Entworfen wurde der Stuhl von dem Dänen Verner Panton in den 1960er Jahren. Das zu restaurierende Objekt stammt aus der zweiten Serie von 1971–1979, in der Hartschaum ASA (thermoplastic acrylolitrile styrene acrylate), später unter dem Produktnamen Luran S (BASF) zur Anwendung kam. In einem Zeitraum von nur acht Jahren entstanden etwa 150 000 Exemplare. Um sich der Aufgabe, einen geeigneten Kleber zu finden, anzunähern entstand ein digitales Modell des Stuhls unter Verwendung eines 3D Laser-Scanners. Das Modell half verschiedene Szenarien im Gebrauch des Stuhls nachzustellen. Hilfreich war der Rat eines Ingenieurs. In Zusammenarbeit mit ihm konnten Fragen der Messbarkeit etwa von statischen/dynamischen Belastungen geklärt, gezielte Probereihen entworfen werden, die Spannung, Dehnung, Steifigkeit usw. in den Fokus nahmen. Auch die Arbeit mit Normen ist dem Ingenieur geläufig, der Restaurator profitiert von Kenntnissen dieser Art.

Nicht nur Vorträge sondern auch Workshops und Führungen beleuchteten das Thema moderne Materialien facettenreich. Wie die Oberfläche einer Liege von Luigi-Colani reversibel in Airbrush-Technik wieder farbfrisch und glänzend wurde, darüber berichteten Julia Reischl und Michaela Tischer von der Neuen Sammlung. Über den Einsatz von CT bzw. NMR zur Analyse von Plastikobjekten sprachen italienische und amerikanische Autoren. Gelsysteme zur Reinigung diskutierte das Atelier Curial in Paris. Ein Beitrag von praktischen Aspekten beim Test von Klebern kam aus Schweden. Probleme warf ein Multipel von Arturo Schwarz und Marcel Duchamps auf. Mit welchen Mitteln lassen sich die mechanischen Schäden verfüllen und festigen? Von versteckter Flexibilität eines Gummis aus den 1940er Jahren war die Rede, von neuen spektroskopischen Techniken und mechanischen Tests, und von den Konservierungspraktiken für moderne Materialien in Polen.

Vertreter der BASF Andreas Maegerlein (Foto: Besch)

Licht auf die Denkweise von Künstlern, die Objekte aus modernen Materialien entwerfen, bot die Podiumsdiskussion. Die Designer Konstantin Grcic und Nicola Stattmann, die auch innovative Materialien erforscht, saßen den Restauratoren Friederike Waentig und Tim Bechthold gegenüber. Andreas Mägerlein vertrat die Firma BASF. Christian Bonten befasst sich als Ingenieur mit Kunststoffen. Zwar beteuern die Designer, dass sie die Lebensdauer des von ihnen verwendeten Materials bedenken und auch die Kosten, die eine Konservierung erfordert, doch sind sie im Entstehungsprozess so fokussiert auf die Realisierung ihrer Idee, dass sie nicht mehr auf die Haltbarkeit des Materials achten.

Die Future Talks 013 ließen wiederum tiefe Einblicke in die vielfältigen Materialien gewinnen, mit denen Konservatoren und Restauratoren heute zu tun haben. Durch die Verbindung mit kleineren Workshops und Exkursionen konnte eine gezielte Spezifizierung und auch Auflockerung der Vortragsblöcke erreicht werden, ein Gewinn für alle, die teilnehmen konnten! Ein Interview mit dem Organisator der Tagungsreihe, Dipl-Rest. Univ. Tim Bechthold, ist in den »Restauratoren-Infos Heft 2/2014 nachzulesen.

Ulrike Besch

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