Hinterglasbilder 1905–1955

Im Rahmen des Förderprogramms »Forschung in Museen« hat die VolkswagenStiftung dem Museum Penzberg – Sammlung Campendonk ein dreijähriges Forschungsvorhaben über die »Hinterglasmalerei als Technik der Klassischen Moderne 1905?1955« bewilligt. Das Projekt endet im Oktober 2018. Projektpartner sind die BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin und das Doerner Institut, München.

Carlo Mense: Menschen am Fluss, um 1913, Hinterglasmalerei, 56,5 x 45,5 cm, LVR-LandesMuseum Bonn (Foto: Simone Bretz)

Das interdisziplinäre Forschungsteam von Kunsthistorikern, Restauratoren und Chemikern untersucht die Hinterglas­malerei als eigenständige und kunsthistorisch relevante Werkgruppe und gibt Aufschluss über die Maltechnik und die verwendeten Materialien. Hinterglasbilder unterliegen einer hohen Gefährdung. Glasbrüche, Ablösungen der Malschicht oder sonstiger Dekorauflagen vom Glas, farbliche Veränderungen, Substanzverlust und nicht fachgerecht ausgeführte Eingriffe gehören dazu. Der Bildträger aus Glas ist als sprödes Material vor allem bei geringer Glasstärke leicht der Gefahr des Brechens ausgesetzt. Mechanische Verletzungen an der Oberfläche wie Kratzer und die Einwirkung von Druck oder Stoß durch unsachgemäße Handhabung, Rahmung und Montage, Transport oder Lagerung führen zu irreversiblen Schäden am Glas. Unterschiedliche Erscheinungsbilder einer geschädigten Malerei hinter Glas sind nachweisbar, etwa als Abhebungen der Malschicht vom Glas, als Risse und Verformungen der Malschicht, als ausgebrochene und sogar verlorene Farbfragmente und als Veränderungen der Farbigkeit.

Gerhard Richter: Aladin (913-20), 2010, Lack hinter Glas auf Aludibond, 37 x 50 cm
(Foto: Gerhard Richter)

Die spezifischen Schäden verlangen nach einer abgestimmten Konservierungstechnik. Das Konsolidierungsmittel wird bei Hinterglasbildern sichtbar zwischen Farbschicht und Glas eingebracht. Die Wahl des Mittels hat aufgrund der Verschiedenartigkeit der Maltechniken individuell für jedes zu behandelnde Hinterglasbild zu erfolgen. Die Auswahlkriterien richten sich nach der Haftfähigkeit auf Glas, der Verträglichkeit mit den vorgefundenen, originalen Materialien und der Gefahr einer möglichen Vergilbung. Zur Prävention der geschilderten Schadensbilder müssen die Klimawerte konstant gehalten werden.

Geschichte der Hinterglasbilder der Moderne

Die Technik der Hinterglasmalerei wurde durch Gabriele Münter 1908/09 in die Gruppe von Künstlern, die später unter dem Namen »Der Blaue Reiter« mit Ausstellung und Almanach berühmt wurden, als Anregung eingebracht. Von hier aus verbreitete sich die Technik weiter: August Macke brachte sie aus Bayern bei seiner Rückkehr in die Gruppe der Rheinischen Expressionisten ein. Die Berliner Avantgardegalerie »Der Sturm« wurde zu einem weiteren Zentrum, und auch am Bauhaus entstanden Hinterglasbilder. Auf die Restaurierung von Hinterglasbildern spezialisiert hat sich die Restauratorin Simone Bretz.

Aktuelles

Förderung

Studium

Institutionen

Tagungsberichte

Fachbeiträge

Firmen
und Produkte

Restauratoren-Infos als PDF-Dateien

Weitere Webseiten

Sonstiges