Sanchi-Tor-Abguss

Die Kopie des indischen Sanchi-Tors steht in Berlin-Dahlem. Der einzige außerhalb Asiens erhaltene Abguss wird wohl nicht mit den Dahlemer Museen ins Berliner Schloss umziehen. Ein 2014 gestellter Antrag auf Neuabguss des Tores durch die Berliner Gipsformerei zwecks Aufstellung im Außenbereich des Humboldt-Forums wurde nicht genehmigt.

Sanchi-Tor, ca. 10 m hoch, im Garten der Museumscafeteria in Berlin-Dahlem.
Das Tor wurde im Jahr 1970 anlässlich der Eröffnung des Berliner Museums
für Indische Kunst nach alten, 1886 aus London angekauften Gipsformen
aus Kunststein gegossen. (Foto: Joachim Müller)

Die Kopie hat eine lange Geschichte. Bereits 1886 kaufte man aus London das Sanchi-Tor als Gipsabguss. Er erhielt in dem im selben Jahr eröffneten Neubau des Völkerkundemuseums in Berlin einen Ehrenplatz im Lichthof. Wunderbarerweise überstand der Gipsabguss den Zweiten Weltkrieg und ermöglichte so einen Neuabguss in Kunststein und die Aufstellung zur Gründung des Museums für Indische Kunst 1970. Ursprünglich war man interessiert am Original. Britische Repräsentanten in Bhopal (zwischen 1853 und 1868) und auch Napoleon III. (1867) versuchten die Stupa-Tore aus Sanchi nach Europa zu holen.

Alte Positivformen des Sanchi-Tors aus Gips im Außendepot Friedrichshagen,
bereit für einen Neuabguss (Foto: Staatliche Museen zu Berlin)

Im South Kensington Museum dagegen begann man, in-situ-Konservierungen von antiken Architekturen zu propagieren. Im Gegenzug entwarfen Museumsleute eine Konvention zur Forderung von Reproduktionen (Elektrotypien, Fotografien, Gipsabgüssen) für solche Denkmäler, unterzeichnet auf der Weltausstellung 1867. 1912­1918 konnte deshalb Sanchi vor Ort restauriert werden, die originalen Stupa-Tore von Sanchi verblieben am Entstehungsort. In einer aufwändigen Aktion 1869 verbrachte man 28 Tonnen Gips und Gelatine und 88 Zinkwannen von London auf den See-Weg nach Kalkutta und von dort mit Eisenbahn und Ochsenkarren nach Sanchi. Die Anfertigung des Abgusses mit vielen Teilabformungen nahm mehrere Wochen in Anspruch. Erst nach der Rückkehr nach London setzte man die Einzelteile zusammen und bot sie für weitere Kopien zum Kauf an.

Sanchi

Der Berliner Abguss bildet das östliche von vier prächtigen Eingangstoren zu einem alten buddhistischen Heiligtum ab, zum Stupa (Reliquienhügel) von Sanchi, nahe Bhopal in Madhya Pradesh, Indien. Der Kern dieses Stupa reicht bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. zurück. Im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde das damals schon in die Jahre gekommene Heiligtum vergrößert und verschönert, wobei auch der Steinzaun mit seinen Toren hinzugefügt wurde. Die seit Mitte des 19. Jahrhunderts neu entstehende westliche Kunstgeschichtsschreibung zur alten indischen Kunst begriff den Stupa von Sanchi als Schlüsselmonument. Auf diese Weise wurden sie geradezu zu einem Emblem der indischen Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts bzw. der britischen Entdeckung des buddhistischen Indien. 1818 fand die erste dokumentierte Erkundung Sanchis durch einen Engländer statt. 1851 begann die umfangreiche Ausgrabung und Erforschung des Stupa von Sanchi.

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