Restaurierung und Denkmalpflege

Eine Standortbestimmung aus Erfurt

In einem Festvortrag würdigte Dr. Stefan Winghart, Landeskonservator Thüringen, den seit 10 Jahren bestehenden Studiengang in Erfurt und diskutierte das Fach Restaurierung in der Denkmalpflege. Er hält die Trennung der einzelnen in der Denkmalpflege tätigen Berufssparten, so wie sie der BAT vornimmt, für nicht mehr zeitgemäß. Alle mit der Denkmalpflege Befassten sind auch Denkmalpfleger: Archäologen, Kunsthistoriker, Architekten, Historiker, Naturwissenschaftler, Vermessungsingenieure, Bauforscher, Juristen und Verwaltungsfachleute, vor allen Dingen aber Restauratoren gleich welcher Spezialisierung, Dendrochronologen und Grabungstechniker. Gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Universitätsreform mit Bachelor- und Masterabschlüssen ist eine Trennung seiner Meinung nach obsolet. Denkmalpflege lebt von der Dialektik Theorie und Praxis, also können Kunsthistoriker, Archäologen, Architekten und Restauratoren nicht in einer Hierarchie verbunden sein, sondern nur im Nebeneinander.

Schnuppertag am Studiengang Konservierung und Restaurierung der
FH Erfurt (Foto: Roland Hahn, FH Erfurt)

Die Restaurierung hat aufgrund des enormen technischen Fortschritts besonders der letzten 30 Jahre eigene, spezialisierte Fachsparten entwickelt. Aus dem einstigen Hilfsberuf des Präparators und des Werkmeisters, wie Restauratoren und Grabungstechniker bis in die 1950er Jahre bezeichnet wurden, sind eigene durch ein Studium zu erwerbende Professionen geworden. Nach wie vor nimmt die herkömmliche Universitätswissenschaft dies ebenso wie der Bundesangestelltentarif nur zögernd zur Kenntnis. Dies hat Folgen. Der Beitrag, den moderne Restaurierung und Grabungstechnik zur wissenschaftlichen Erkenntnis liefern, wird vielfach nicht richtig ermessen. Man verkennt den Anteil der Restaurierung, den diese an der Erschließung und vor allen Dingen der Interpretation des Quellenmaterials leistet, mit dem der Archäologe schließlich arbeitet.

Dennoch: In der Praxis sind die Restaurierungsabteilungen und Zentrallabore inzwischen gängig, die Anwesenheit von Konservator und Restaurator auf Ortsterminen selbstverständlich. Selbst die Einstufung im BAT, diesem Fossil in der fossilen Struktur des öffentlichen Dienstes in Deutschland, ist inzwischen der längst überfälligen Erkenntnis gefolgt, dass gleiche Verantwortung auch gleiche Einstufung bedeuten sollte. Im Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege ist der Leiter der zentralen Abteilung für überregionale Aufgaben, zu der auch die Restaurierung gehört, ein Restaurator. Dieser ist Stellvertreter des Landeskonservators. Dies zeigt, dass die Rolle des Restaurators in der Denkmalpflege auf der engen Verzahnung mit den Naturwissenschaften gründet, sie fungiert als Transmissionsriemen zwischen Geistes- und Naturwissenschaft. Auch wenn der technische Fortschritt groß ist, das theoretische Potential ist nach Winghart noch nicht ausgeschöpft: etwa zur Bergungs- und Erhaltungstechnik, zur Definition von Lager- und Erhaltungsbedingungen, zur Analyse von Schadensbildern und Korrosionsprozessen, zur Materialanalytik, -metrik und -entwicklung und zur antiken Technik- und Handwerksgeschichte.

Dass gut ausgebildete Restauratoren auf dem freien Markt zur Verfügung stehen, birgt aber auch ein Problem: Die öffentliche Hand baut zunehmend ihre eigenen Werkstätten ab und setzt entsprechend dem Trend in der Wirtschaft auf Outsourcing. Es besteht die Gefahr, dass die Denkmalpflege in der Ausbildung von Restauratoren mehr und mehr marginalisiert wird.

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