Universitäre Ausbildung für Restauratoren in Turin

Interview

Das »Centro Conservazione e Restauro La Venaria Reale« bietet in Kürze angehenden Restauratoren eine Ausbildung auf Hochschulniveau. Drei Jahre dauert der Bachelor-Studiengang, zwei Jahre schließen sich für das Master-Studium an. Das neu eingerichtete Zentrum befindet sich vor den Toren Turins, in der ehemaligen Jagdresidenz der Savoyer La Venaria Reale aus dem 18. Jahrhundert. Die Restaurierung der weiträumigen Residenz und der Gärten unter strengen denkmalpflegerischen Gesichtspunkten erfolgt seit 1998 und kostete bisher über 200 Millionen Euro. Die mehrflügelige Anlage soll neben dem Restaurierungszentrum in Zukunft ein Kulturzentrum beherbergen. In der kleinen Reitschule des Palastes sind zum Teil »reversibel" modernste Räume für die Restauratoren eingepasst: 22 Werkstätten, Unterrichts- und Studierräume, 5 naturwissenschaftliche Labore, und ein Saal mit 200 Plätzen in der Aula. Angegliedert sind eine Bibliothek, Büroräume, Archive auf einer Fläche von insgesamt 8000 m2.

Die Aula des Studiengangs Restaurierung, in die historische Substanz
»reversibel« eingepasst

Die Gründung des Zentrums für Konservierung und Restaurierung von Kulturgut war aufgrund einer privaten Stiftung möglich?

Ja, rechtlich konnte das Zentrum auf der Basis einer Privatstiftung eingerichtet werden, das eine flexible und dynamische Realisierung ermöglichte. Ziel war eine führende Rolle auf dem Feld der nationalen wie der internationalen Restauratorenausbildung zu spielen. Die Non-profit-Organisation setzte das Kultusministerium, die Region von Piemont, die Universität Turin und zwei lokale Stiftungen ein (die Fondazione per l'Arte della Compagnia di San Paolo und die Fondazione CRT). Das Ministerium und die Region Piemont überlassen die Räume in La Venaria Reale für 30 Jahre, die ehemaligen Stallungen und die Reitschule. Die Universität Turin übernimmt die Einrichtung des Studiengangs.

Welche Ziele verfolgt die Stiftung?

Durch die Einrichtung eines Studiengangs für Restauratoren auf höchstem Niveau soll eine beständige, koordinierte und geplante Betreuung des kulturellen Erbes gesichert werden. Das schließt nicht nur die Restaurierung mit ein, sondern auch die Prävention und die Pflege. Eine naturwissenschaftliche Abteilung steht für die Analyse und für Forschungszwecke zur Verfügung. Es geht um die Untersuchung von Konservierungsmaterialien und Kunsttechniken. Nicht nur Studenten sollen von der Einrichtung profitieren, sondern auch bereits im Beruf Stehende können die Institution nutzen und sich in Workshops weiterbilden.

Welche Fachbereiche werden angeboten?

Wir haben Werkstätten für Malerei und polychrome Skulptur, für Holzarbeiten und Möbel, für Wandmalerei, Stuck und Wanddekoration, für Textilien, für Stein und Metall und für Buch und Papier. Die naturwissenschaftlichen Labore widmen sich der Mineralogie und Gesteinskunde, der Biologie, der Mikroskopie und Fotografie und der Klima- und Lichtkontrolle. In Zukunft soll auch noch das Fachgebiet Foto/Filmrestaurierung eingegliedert werden.

Zukünftiges Labor des Zentrums

Die Studenten schließen nicht mehr mit dem Diplom ab, sondern nach neuem europäischem Standard mit dem Bachelor bzw. Master?

Ja, wir öffnen uns den internationalen Anforderungen im Hochschulwesen. Unsere beiden renommiertesten Institutionen in Italien bilden ja bisher ohne Hochschulabschluss aus. Am Opificio delle Pietre Dure in Florenz und am Istituto Centrale per il Restauro (ICR) in Rom steht lediglich das staatlich anerkannte Diplom am Ende der Ausbildung. Die Arbeitsgruppe, die die neuen Curricula ausarbeitet, stützt sich allerdings auf die großen Erfahrungen des Opificio, des ICR und auch des Istituto per la Patologia del Libro in Rom. Die Leiterin der Werkstätten ist Pinin Brambilla, die ja international bekannt ist durch die Restaurierung des Abendmahls von Leonardo da Vinci in Mailand. Dem Fachbereich Wandmalerei steht Lidia Risotto aus dem ICR vor. Sie koordinierte die Wiederherstellung der Giotto-Malereien von Assisi. Es unterrichten außerdem Carla Enrica Spantigati (Soprintendente ai Beni Artistici del Piemonte) und einige andere bekannte Restauratoren wie Michela Palazzo und Gianluigi Colalucci, der Restaurator der Sistina in Rom.

Welche begleitenden Einrichtungen bietet das Zentrum?

Wir bauen gerade eine Fachbibliothek auf mit besonderem Augenmerk auf die Restaurierungsgeschichte. Die Archiv- und Dokumentationsabteilung soll mit Monographien, internationalen Zeitschriften und Fachbeiträgen auch dem Publikum offen stehen. Wir bekommen die Bücher, Aufsätze und Zeitschriften aus Bibliotheken von Kulturerbeinstitutionen und von privaten Restauratoren.

Wann können sich die ersten Studenten einschreiben?

Wir starten mit dem Wintersemester 2006/2007. Die Zahl der aufzunehmenden Studenten steht noch nicht fest, wird sich aber zwischen 20 und 50 bewegen. Es gelten die Bestimmungen der Universität Turin. Die Studiengebühren werden voraussichtlich etwas höher wie an deutschen Unis sein. Im Moment läuft gerade ein Sonderstudiengang für angehende Lehrer im Fach Restaurierung/Konservierung. Aufgenommen wurden 20 ausschließlich diplomierte Restauratoren mit dreijähriger Berufserfahrung, die jünger als 35 Jahre sind. Die besten von Ihnen haben die Möglichkeit sich nach dieser einjährigen Fortbildung als Lehrer (oder Restauratoren) für das Centro Conservazione e Restauro La Venaria Reale zu bewerben.

Welche Voraussetzungen muss ein angehender Student mitbringen?

Zuerst einmal sollte er über gute italienische Sprachkenntnisse verfügen, weil die Unterrichtssprache italienisch ist, im Gegensatz zu dem Sonderstudiengang, der in Englisch abgehalten wird. Außerdem werden Praktika gefordert. Natürlich ist auch wie an allen Universitäten die allgemeine Hochschulreife eine Voraussetzung. Die genauen Bestimmungen und die Studiengebühren können sich aber noch ändern. Sie sind aktuell im Internet unter www.centrorestaurovenaria.it einsehbar, bzw. unter der E-Mail-Adresse centroconservazionerestauro@lavenariareale.it erhältlich.

Das Gespräch mit Carlo Callieri, Präsident der Stiftung Centro Conservazione e Restauro La Venaria Reale, führte Ulrike Besch.

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