Heißes Eisen: Bachelor/Master-Studiengang

Im Gespräch mit Prof. Dr. Stefan Wülfert

Die neuen Hochschulabschlüsse Bachelor (BA) und Master (MA) nach amerikanischem Vorbild versetzen in Unruhe. So sehr das Bemühen um die Vereinheitlichung des europäischen Studienwesens begrüßt wird, so sehr bezweifelt man, ob gerade für das Fach Konservierung/Restaurierung mit BA bzw. MA ein berufsqualifizierender akademischer Abschluss erreicht werden kann. Dazu kommt, dass es dann die verschiedensten Abschlussformen gibt, im Wesentlichen der Restaurator ohne Diplom, in früheren Zeiten meist in dreijährigen Praxis ausgebildet, aber inzwischen reich an Berufserfahrung, der Diplom-Restaurator mit einem mindestens zweijährigen Vorpraktikum und einem vierjährigen Studium und der sich jetzt etablierende Bachelor/Master mit wieder anderen Studienzeiten.

An der Hochschule der Künste Bern HKB, Fachbereich Konservierung und Restaurierung, beginnen im Herbst 2005 die ersten Studenten mit dem Ziel des Bachelor/Master. Prof. Dr. Stefan Wülfert, Fachbereichsleiter des Studiengangs, gab Antwort auf sich stellende Fragen.

Welche Änderungen ergeben sich für die Studierenden?

Ab Wintersemester 2005/06 studieren angehende Restauratoren in der Schweiz nach dem zweistufigen Bologna-Modell, das heißt sie absolvieren einen dreijährigen Bachelor-Zyklus mit anschließendem zweijährigem Master-Studium. Beide Studienzyklen sind nach einem von allen Schweizer Konservierungshochschulen gemeinsam entwickelten Kompetenzprofil erarbeitet worden und werden von den beteiligten Hochschulen gemeinsam angeboten. Die ersten beiden Jahre des Studiums sind neu für alle Hochschulen in Bern lokalisiert. Die anschließende fachliche Vertiefung wird dann an den etablierten Standorten geboten. Für die Studierenden ändert sich Einiges, z.B. ist die Ausbildung mehrsprachig angelegt, dem gecoachten Selbststudium wird größere Bedeutung zugemessen und es stehen mehr fachliche Vertiefungsmöglichkeiten zur Verfügung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Wird der neue Abschluss den zukünftigen Restaurator ausreichend befähigen?

Die zu erreichende Befähigung ist in den entsprechenden ECCO- und ENCoRE-Papieren definiert und wird selbstverständlich auch in der Schweiz erreicht. Diese Papiere erwähnen beide Ausbildungsstufen ganz explizit, genauso wie die eingeschränkte Berufsbefähigung, die mit dem BA-Abschluss einhergeht: Bachelor in Konservierung können an Projekten der Konservierung mitarbeiten, sind aber zur selbständigen und eigenverantwortlichen Ausübung dieses Berufes NICHT qualifiziert. Im Gegensatz dazu werden die zukünftigen MA-Absolventen im mindestens gleiche Maße berufsbefähigt sein, wie die bisherigen Diplomanden. Im Schweizer Ausbildungsmodell macht eine im oben erwähnten Sinne eingeschränkt zugestandene Berufsbefähigung für Bachelor-Absolventen auch insofern Sinn, als wir den Master-Zyklus auch berufsbegleitend anbieten wollen.

Wie kommt man vom Bachelor zum Master?

Da Konservierung/Restaurierung in der Schweiz ein Numerus-Clausus-Fach ist, entscheidet eine Eignungsprüfung über die Zulassung zum Bachelor-Studium. Wir erwarten von den zukünftigen Studierenden ein Berufspraktikum, dessen Länge allerdings vom jeweiligen Schulabschluss und der bisherigen beruflichen Erfahrung abhängt: Fachabiturienten mit einem Lehrabschluss sind hier gegenüber Abiturienten klar im Vorteil. Eine Vergolderin mit Lehrabschluss und Berufsmaturität kann in Bern zukünftig direkt zum Studium zugelassen werden. Ein Abiturient muss jedenfalls ein einjähriges Berufspraktikum absolvieren. Der Bachelor-Abschluss wird nach Studienleistungen, die 180 ECTS Credits entsprechen, und einer entsprechenden Abschlussprüfung und Abschlussarbeit erreicht. Das bedeutet mindestens drei Jahre Vollzeitstudium bis zum Bachelor. Der BA ist dann die Basis für die Zulassung zu einem Masterstudium (mit weiteren 120 ECTS Credits), die aber noch an weitere Bedingungen geknüpft sein kann. So ist es z.B. denkbar, dass zwischen BA und MA-Studium eine Phase der praktischen Qualifikation liegen kann. Hier sind die Regeln und Bedingungen zum heutigen Zeitpunkt noch nicht genau definiert.

Wie werden sich der Diplom-Restaurator vom BA- und MA-Restaurator abgrenzen?

Diese Frage zielt auf Begriffe, weniger auf Ausbildungsinhalte und Qualifikationen. Die europäischen Grundlagenpapiere sprechen eine klare Sprache: Diplom und Master sind per Definition eine Grundlage für die selbstständige und eigenverantwortlichen Ausübung des Berufes, im Gegensatz zum Bachelor. Hochschulen, die vierjährige Bachelorzyklen mit 240 ECTS anbieten oder planen, sollten daher den entsprechenden Abschluss höherer Qualifikation entsprechend kennzeichnen, z.B als Bachelor of Honours.

Interessanter ist die Frage, ob die neuen Abschlüsse international und europaweit vergleichbar sein werden. Das scheint mir nicht der Fall zu sein.Nur ein Beispiel: In den USA besteht die Möglichkeit, auf einen hauptsächlich allgemeinbildenen Bachelor of Sciences ein vierjähriges und vollzeitiges Masterstudium aufzusetzen. Dort gibt es auch den bei uns in Diskussionen bisher kaum erwähneten Bachelor of Honours, als gegenüber dem Bachelor höher qualifiziertem Abschluss. Im Bereich Konservierung ist es absehbar, dass wir schon im deutschsprachigen Raum neben drei- auch vierjährige Bachelor-Zyklen haben werden, die sich auch in der dafür vergebenen Anzahl ECTS Credits unterscheiden. Wahrscheinlich erscheinen Master-Zyklen unterschiedlicher Studiendauer, die auf ganz unterschiedlichen Grundlagen aufbauen. Das Ziel vergleichbarer und lesbarer Abschlüsse wird also in Europa nicht und international schon gar nicht erreicht. Dass dieses Manko auch für die Konservierung/Restaurierung im deutschsprachigen Raum bestehen wird, haben sich die Hochschulen zumindest teilweise selbst zuzuschreiben: Ein koordiniertes Vorgehen lässt sich eben weder durch Alleingänge, noch durch Betonung von Länderhoheiten, noch durch Fundamentalopposition oder Verzögerungstaktik erreichen – hier ist eine Chance verpasst worden.

Wird es in Zukunft noch schwerer für Auftraggeber sein, den guten vom weniger guten Restaurator zu unterscheiden?

Wir haben schon heute besser und schlechter ausgebildete Diplom-Restauratoren. Es gibt gute ohne Hochschuldiplom und schlechte, die über ein Diplom verfügen. Jede Ausbildungsinstitution weiß, dass es sogar innerhalb der gleichen Jahrgänge markante Qualitätsunterschiede geben kann. Auftraggebern kann man nur empfehlen, mit Diplom- oder Master-Restauratoren zusammen zu arbeiten, weil nur diese die entsprechende Verantwortung für ein Objekt übernehmen können. Wichtig wird hier eine eindeutige Haltung der Berufsverbände sein. Damit haben wir in der Schweiz keinerlei Probleme, der Schweizerische Verband für Konservierung und Restaurierung (SKR) wird in Zukunft dort auf Master-Abschlüssen zu bestehen, wo er bisher auf dem Diplom bestanden hat.

Bologna

Gesamteuropäische Bildungsreform in Folge des als Bologna-Prozess benannten Bemühens um die Vereinheitlichung des europäischen Studienwesens

ECTS

European Credit Transfer System: Bachelor-Studium Bern: 180 ECTS-Credits, entspricht drei Studienjahren zu je 1800 Arbeitsstunden, Master-Studium: weitere 90-120 ECTS-Credits, entspricht anderthalb bis zwei Studienjahren.

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